links zur aktuellen theorie: venöse ms/ccsvi (Forum)

snowwizard @, Montag, 11. Januar 2010, 22:40 (vor 2867 Tagen) @ TOM

Hallo zusammen,

die "venöse MS" wird seit einigen Monaten vor allem im DMSG-Forum heiß diskutiert. Suchbegriffe: CCSVI (chronische cerebro-spinale venöse Insuffizienz), Simka, Zamboni, Dilatation, Stent ... es gibt dort jede Menge Stellungnahmen dazu. Die Anhänger dieser Hypothese haben auch ein eigenes Forum (nach CCSVI Forum googeln).

Inzwischen sind die ersten Eurphoriewogen abgeebbt, denn es tun sich doch viele noch unbeantwortete Fragen auf. Die Dilatation der betreffenden Venen habe zwar bei schubförmiger MS in einigen Fällen im akuten Schub zu Besserungen geführt. Eine Rückbildung bereits länger bestehender Schäden wurde aber bislang nicht beschrieben. Durch eine Venendilatation ist noch niemand aus dem Rolli gehüpft und kein EDSS von 7,5 auf 1 zurückgegangen.

Außerdem soll nach allem, was man bisher vernommen hat, die Methode nur bei schubförmiger MS etwas bringen, nicht aber bei progredienten Verläufen.

Mit Stents in Venen hat man erst sehr wenig Erfahrungen, da Stents üblicherweise in Arterien eingesetzt werden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Dilatation und die Stent-Implantation nur einen vorübergehenden Effekt haben. Mit Streckmetallröhrchen in den Gefäßen wird man zum Dauerpatienten, eine lebenslange Therapie mit Medikamenten, die den Wiederverschluss der behandelten Venen verhindern, ist sehr wahrscheinlich nötig. Im Klartext: Man bleibt DauerpatientIn, nur wechselt man die Branche: vom Neuro- zum Angiologen.

Die Aussagen der Stent-Pioniere, die sich in Kattowitz oder Ferrara behandeln ließen, dass es ihnen von Tag zu Tag besser gehe, halte ich für unmaßgeblich, denn bei einer Krankheit mit einem so wechselhaften Verlauf wie der MS sind solche Schwankungen an der Tagesordnung, und ein zufälliges zeitliches Zusammentreffen muss noch keinen Kausalzusammenhang beweisen. Seit ich das Mundwasser gewechselt habe, geht es mir auch besser - aber was heißt das schon>

Die Hauptfrage, die sich angesichts des Wirbels um die "venöse MS" stellt, ist immer noch unbeantwortet geblieben: Wenn es stimmt, dass so viele MS-Patienten Krampfadern im ZNS haben, und von den nicht an MS Erkrankten kein/e einzige/r, woher will man wissen, dass die Krampfadern im ZNS Ursache der MS sind und nicht deren Resultat>

Das einzige, was man bisher zweifelsfrei feststellen konnte: Die Behandlung der "Venösen Insuffizienz" in Polen ist in wenigen Wochen um einige tausend Euro teurer geworden. (Honi soit qui mal y pense).

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Liebe Grüße!
Peter


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